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Können wir uns darauf einigen…?

Einer meiner Leitungskurse war Mathematik. Ich war nie besonders gut in Mathe (bzw. eher faul und zu aufmüpfig), aber es gab zwei Sachen, die ich daran praktikabel fand:

  1. Es gibt lediglich richtig und falsch. Grauzonen sind in einer Matheklausur definitiv nicht vorhanden. Entweder das Ergebnis stimmt oder eben nicht.
  2. Es ist simpel. Natürlich nicht die Berechnung dreidimensionaler Kugelscharen, aber die Basics. Irgendwann war einfach Schluss mit beweisen und man musste akzeptieren, dass 1+1=2 ist – sonst kommt man ja auch zu nix.

In unserem heutigen Social Media Knäuel fehlt beides. Statt einfach selbst darauf zu achten, was bei ihnen funktioniert und was nicht, ergehen sich Unternehmen und Berater in Entschuldigungen, Möglichkeiten, Theorien. Alles natürlich getragen von meinen Erzfeinden den “Studien“. Das wäre gar nicht so schlimm, würde das denn wirklich helfen. Allerdings haben wir es mit Menschen zu tun und die sind naturgemäß nunmal leider größtenteils unterschiedlich (ich weiß, was fällt denen ein?!). Wer da die “harten Fakten zum Erfolg” kennt, weiß sicherlich auch den perfekten Anmachspruch.

Das geht Hand in Hand mit der hausgemachten Verkomplizierung der ganzen Geschichte. Natürlich bietet Social Media aus der Natur der Sache heraus einfach Myriaden an neuen Variablen. Früher hieß “Customer Journey”, dass man mit einem Produkt mal besser, mal schechter in Berührung gebracht wird, in den Laden geht, sich beraten lässt (oder auch nicht), einkauft und geht. Heute könnte man theoretisch nahezu jeden Kontakt, jeden Schritt seiner Kunden begleiten und beeinflussen. Und das wird natürlich von vielen Wasserköpfen als Rechtfertigung genutzt, recht einfache Vorgänge unnötig zu komplizieren (wie sollte man auch sonst 500€/Kopf/Tag abrechnen sollen?). Aus 1+1=2 wird x1/y+(yz+1)=log25*10^-24

Entwirrung!

Und ja, ich versteh das alles auch. Manchmal sitz ich ebenfalss ne Stunde hier und versuch mein Gehirn wieder zu entwirren, weil ich mich im Social Media Netz verheddert hab – ein Netz, das ich selbst geknüpft habe. Umso wichtiger ist es, dass wir das Schlangenöl wegpacken und uns jetzt bitte endlich mal wieder auf ein paar einfache, logische Regeln besinnen.
Können wir uns also darauf einigen, dass

  • fröhliche Kunden mehr und öfter etwas kaufen insgesamt wertvoller sind als nicht fröhliche Kunden?
  • vom Hocker gehauene Kunden die besseren fröhlichen Kunden und das beste Marketing sind?
  • Vertrauen durch Ehrlichkeit, Authentizität, Transparenz, persönlichen Kontakt und Wertschätzung aufgebaut wird?
  • Wertschätzung bereits bei einem guten, vom Kunden her gedachten Produkt anfängt?
  • Menschen mit Menschen Beziehungen aufbauen und nicht mit Logos?
  • persönliche, positive Beziehungen die beste Kundenbindung sind, weil sich der Kunde freiwillig bindet?
  • dementsprechend Menschen die neuen Plakatwände sind und alles mit ihnen steht und fällt?
  • Vertrauen zu und gute Beziehungen mit diesen Menschen Kunden vom Hocker hauen?

Statt also jeden Furz zu zerreden, sollte man sich lieber mal wieder an diese ganz einfachen, logischen und eigentlich selbstverständlichen Axiome halten. Dass es wirklich Menschen/Agenturen gibt, die auch nur EINE SEKUNDE Arbeit darauf verwenden, zu “beweisen”, dass persönliche Empfehlungen ein starkes Kaufkriterium sind, ist unbeschreiblich lächerlich! Das muss man nicht beweisen. Da überlegt man 5 Sekunden!

Was steht als nächstes auf der Liste? Dass 84% aller 120 Befragten nicht bei Unternehmen kaufen, die sie wie den letzten Dreck behandeln? Dass man nicht den introvertierten IT-Nerd an die vorderste Servicefront packt? Dass ein Produkt einen lieber nicht umbringen sollte, weil das zu negativen Bewertungen führt? Wundern würde es mich jedenfalls nicht.

Können wir uns darauf einigen, dass wir die heiße Luft aus dem Ballon lassen und aufhören, wie ein paar Pseudodoktoranten die simpelsten Tatsachen mit pseudowissenschaftlichem Scheiß bis zur Unkenntlichkeit zu zertrümmern?

Danke!

Über eure Erweiterungen der Liste würde ich mich übrigens sehr freuen… euch fällt da bestimmt noch was ein :)

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Die wichtigste Frage für euren Social Media Erfolg

Social Media ist zu kompliziert. Den Eindruck bekommt man als Laie zumindest schnell, wenn man versucht, sich in das Thema einzulesen. Es wird viel geredet, theoretisiert, psychologisiert, Regeln aufgestellt, Regeln gebrochen, Tools angedreht und so weiter.

Doch das alles ist für die Tonne. Wie ich nicht müde werde zu betonen, hat Social Media erstmal NICHTS mit dem Internet geschweige denn mit Facebook und Twitter zu tun. Ja, diese Plattformen haben einen Trend losgetreten. Anders als andere Trends wirkt dieser sich allerdings auch in die Vergangenheit aus. Auf alles, was bisher da ist, alle Medien, alle Strukturen bis tief in eure Unternehmens DNA. Stimmt die nicht, wird “Social Media” euch mehr schaden als helfen.

Der richtige und einfachste Einstieg in das “Social Media Zeitalter” ist dementsprechend eine einzige, aber grundlegend wichtige Frage:


Was würdet ihr tun, wenn ihr nicht einen Euro für Marketing hättet?

Das ist die erste, einzige und wichtigste Frage, die ihr vor eurem Sprung ins Social Media Fahrwasser stellen solltet. Warum? Darum:

  • Weil sie ganz unten ansetzt. An eurem Produkt, eurem Service. Ohne Marketing-/Werbekampagnen lassen sich schlechte Produkte nämlich noch nicht einmal kurzfristig gewinnbringend verkaufen.
  • Weil sie aktiviert, was bereits da ist. Viel zu oft wird auf Externes gesetzt, obwohl die internen Ressourcen längst nicht ausgeschöpft sind. Dabei ist dies oft nicht nur (geldtechnisch) günstiger, sondern auch langlebiger.
  • Weil sie Menschlichkeit fördert und fordert. Ohne Webseiten und andere digitale Schaufenster, hinter denen man sich verstecken kann, entscheidet eine Person über den Erfolg “beim Kunden”: Der Mensch hinter dem Verkaufstresen. Und steht dieser nicht hinter dem Produkt, kümmert sich nicht oder bekommt die Zähne nicht auseinander, lebt auch das beste Produkt nicht lange.
  • Weil sie Begeisterung erzwingt. Ist die quartalsmäßige Kampagne zur Kundengewinnung/-bindung nicht drin, habt ihr genau eine (vllt. zwei) Chancen, eure Kunden aus den Socken zu hauen. Greift ihr da ins Klo, habt ihr keine Promotions im Ärmel, die euch retten können.

Erst wenn ihr diese Frage ausreichend beantworten könnt, solltet ihr darüber nachdenken, wie ihr das alles mit Social Media umsetzen könnt. Und auch nur dann… Eine iPad-Verlosung ist niemals ein guter, erster Schritt!

Was fallen euch sonst noch für passende Fragen, für einen gelungenen Social Media Start ein?

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“Do the right thing” – Gelebtes Social Media kann so einfach sein

Vor kurzer Zeit habe ich sowohl hier als auch bei dem Gemeinschaftsprojekt socialtoday, wo ich mit meinen magischen Händen die technische Administration mache und ab und an mal was schreibe, das Kommentarsystem auf Livefyre umgestellt. WordPress’ eigene Lösung gefiel mir noch nie, und ich nutzte vorher schon sehr gerne Disqus.

Allein die kurze Geschichte, wie ich zu Livefyre kam, ist schon ein super Beispiel für hervorragende Social Media Nutzung. Doch ich wollte mehr. Und da besagte Geschichte ein zartes Band zwischen mir und dem Chef der Livefyre Community Jeremy Hicks knüpfte, leierte ich ihm ein kleines Interview aus den Rippen.

Und ganz ehrlich, ihr könnt alle Bücher und Grundsatzartikel in die Tonne treten. Denn viel mehr als seine Antworten braucht man eigentlich nicht um Social Media vernünftig einzusetzen. Aber seht selbst:

Wenn es gewünscht ist, übersetze ich das Interview gern nochmal ins Deutsche. Fordert das einfach in den Kommentaren ein :)

1. Who are you, what is your position and what does that mean in particular (for our not so tech-savvy readers)?

My name is Jeremy Hicks, and I am the Head of Community for Livefyre. From a very high-level, I oversee all branded community interaction, from Twitter, to Facebook, to community support, engagement with our bloggers on their content, FAQ’s, etc. If it involves interaction and communicating with the users of our product in some way, I’m most likely involved in that and working to make it the best experience possible for each and every member of our community.

2. What social media platforms do you guys at livefyre use and why?

So we’re HEAVY users of Twitter. We’re present on Facebook and Instagram, as well as our own blog, but Twitter is definitely where we find ourselves doing the most community interaction. It allows for us to have very fast, efficient communication while offering a more casual media that allows us to interject personality and just general have a good time building relationships with our community. It’s a Swiss Armyy knife of sorts, as we can do everything from share content to community support to just general conversation. It’s a perfect fit for our culture and community efforts.

3. How does livefyre’s coporate culture reflects on/influences your social media activities?

The biggest thing I think is just striving to do the right thing. From my first day working with Livefyre, when I was the 7th member of a now 50-man/woman team, everybody has always been about doing their best, about doing what’s right for each other and our community, even if it wasn’t the easiest thing to do. We try to convey that in our social presence as well. We strive to be honest, to give solid answers, and to give those answers in swift fashion. People often times need help or advice or insight, and they need it fast, and we understand that, and we want to meet that need. That’s how we’d want to be treated, that’s the culture our CEO Jordan Kretchmer has set, doing the right thing right now, and it’s one that we strive to embody in our social media efforts.

4. What is your gain from your social media efforts?

Personally, it’s perspective. When you have the right attitude handling social media accounts, especially branding accounts, you learn to look at every interaction as an opportunity to gain someone’s trust, and to then reinforce (and continue to reinforce) why they can trust you. That then carries over into your personal life, and you begin to notice yourself going out of the way for others because it’s the right thing to do, and because it’s best for all parties involved.

And from a brand standpoint, it’s very similar: loyalty. We’re nothing without passionate bloggers and users, and when we earn the privilege of a new blogger or commenter using our product, we want them to stay. We want them to enjoy their interaction with Livefyre but we want them to enjoy their interaction with the team behind Livefyre. And we aim to do that by, as alluded to earlier, doing what’s right. We gain loyalty that way, and that’s the highest level of affirmation for us, knowing that our users will have our back just like we’ll have theirs.

5. What are your top three tipps/rules for establishing/maintaining a successful social media presence?

I hate to harp on the exact same point over and over, but I’m gonna say it again: do the right thing, which further boils down to treating others how you would want to be treated.

The example I always use to illustrate this point is this:

It’s 10:35PM and you’re tired and in bed doing a last-minute social media check on your laptop before hitting the hay. A user Tweets in a frenzy about an issue that’s obviously troubling to them, more so than you’re average support request. After all, for many bloggers, their blogs are their babies!

What do you do, now that you’re aware of it?

Do you shrug it off and go to bed, ignoring a user who seems to really need your help for peace of mind? Or do you jump in, help them at least get held over until the AM, if not completely resolved then, and then hit the hay 10-15 minutes later?

I think we all know what we’d prefer from a brand or an individual, so if you think the right thing to do is the later, I’d say you’re correct.

DISCLAIMER: Waiting until the AM is by no means “wrong” morally or ethically. I’m just saying, from an objective standpoint, if we had an issue, would we rather it resolved now or 8-10 hours later? That’s what I mean by the “right” thing!

So geht’s und nicht anders

Social Media funktioniert nur zwischen Menschen. Welche Menschen ihr mit der Handhabe eurer Präsenz beauftragt, spielt daher eine immens wichtige Rolle. Erwischt ihr dort die richtigen Persönlichkeiten, könnt ihr euch Kampagnen, Taktiken, iPad-Gewinnspiele etc. total klemmen. Echte Fans, Freunde und begeisterte Kunden entstehen durch Interaktion, nicht durch Bestechung.

  • Legt fest, was euer individuelles “Right thing” ist.
  • Sucht, findet und animiert Menschen wie Jeremy. Vom Produkt überzeugt, dem Service verpflichtet, sozial hochgradig kompetent.
  • Gebt diesen Menschen die Freiheiten und Werkzeuge, die sie brauchen um ihre Stärken auszuspielen.

Social und Media muss man eben leben und andere erleben lassen. Sonst klappt das nicht. Marken und Logos sind tot. Lebendig sind die Männer und Frauen dahinter. Lasst sie leben…

Artikelbild: wademCC-Lizenz

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Für Freunde schreiben

Hiermit leite ich jetzt mal die “HellYeah Schnipsel” ein.

Das ist neben den neuen “Social Media Weisheiten“-Grafiken ein kleines Projekt, das ich mal teste. Weniger Text und Bramborium als bei einem normalen Blogpost, aber dafür auf den Punkt und knackig formuliert, sind die Schnipsel eher ein (manchmal provokanter) Denkanstoß, als eine Erklärung, Erläuterung oder Anleitung.

Auf das Thema “Für Freunde schreiben” hat mich dieser Post von meinem lieblings Eierkopf Seth Godin gebracht. Dort erzählt er, dass sich insbesonderen Titel unterscheiden, je nachdem ob man sie für neue Leser oder für alte Hasen schreibt.

Das kann ich auch total unterschreiben, auch wenn ich selbst eher dazu tendiere, auch für euch Stammleser (aka die HellYeah Army) immer aussagekräftige Titel zu erfinden.

Inhaltlich kann ich ihm allerdings nicht beipflichten. Ich finde, man sollte IMMER für Freunde schreiben. Der Beweis dafür findet sich im echten Leben: Stellt euch vor, ihr kommt in eine neue Gruppe Menschen und werdet wie ein Fremder behandelt. Wie fühlt ihr euch? Wie ein Fremder.

Werdet ihr aber direkt wie ein alter Bekannter begrüßt, geherzt und ins Gespräch eingebunden, vielleicht ein wenig aufgezogen zum Schnapstrinken animiert und nicht als erster unwissender im Einkaufswagen den Berg runtergeschubst, dann fühlt ihr euch direkt zugehörig.

Jetzt ist die Frage: Wie sollen sich eure Leser (Egal ob Blog, Facebook, Twitter oder Brieftaube) fühlen?
Wollt ihr ihnen klarmachen, dass sie noch nicht dazugehören oder sie doch lieber direkt als Teil der Community behandeln…

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9 Grundlagen erfolgreicher Blogs

Artikelbild: antigone78CC-Lizenz

Einen wunderschönen guten Abend meine treue Leserschaft. Es ist 1:46 Uhr und während ich der abendfüllenden Aufgabe nachging, den Mücken und Schneidern an der Wand mit Hilfe meiner Adiletten das Leben zu nehmen, fiel mir doch siedend heiß ein, dass auf unsere Facebook Seite nach mehr Blogging-Tipps verlangt wurde.

Hier gibt’s nun meine Antwort auf euer Rufen. Mir fallen zwar beim Schreiben gerade noch zig weitere Tipps ein, aber wir wollen ja nicht direkt mit dem Bulldozer durch die Schlafzimmertür. Außerdem bin ich ja sowieso Grundlagen-Fetischist, also fangen wir auch hier erstmal gaaaaaaaaaanz unten an.

Kommentare und Dialog

Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Allerdings gibt es immer noch Myriaden von Blogs, die das einfach nicht auf die Reihe bekommen. Ein lebendiger Blog ist EURE Gelegenheit eine eigene Community aufzubauen. Doch das geht nur, wenn ihr den Dialog, in Form von Kommentaren, fördert. Deshalb noch einmal zum Mitschreiben:

  • Kommentare müssen NICHT moderiert werden
    Ich kann die Gründe hinter so einer Vorgehensweise nachvollziehen, aber es ist einfach 100% kontraproduktiv. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit und wollen sofortige Befriedigung. Für alles andere haben wir keine Zeit. Und wir wollen die ersten sein, die etwas Neues in eine Diskussion einbringen. All das ist in Gefahr, wenn ich 24 Stunden auf die Freischaltung meines Kommentars warten muss. Mit Kommentarsystemen wie Disqus oder Livefyre lassen sich Spam oder unpassende Beiträge auch ganz bequem nach der Veröffentlichung wieder löschen.
  • Dialog aktiv fördern und fordern
    
Doch bevor ihr überhaupt Kommentare (nicht) moderieren könnt, muss auch irgendwer einen Kommentar schreiben. Und warum sollten Menschen das tun? Selten ist ein Beitrag wirklich so herausragend, dass Reaktionen automatisch eintrudeln. Da hilft nur, dem Leser ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Und zwar deutlich! Mit einer konkreten Frage oder einem iPad-Gewinnspiel Aufruf. „Was macht einen Blog für euch kaputt?“ oder „Schreibt eure Top 3 Blogs und warum ihr sie lest in die Kommentare!“ sind tolle Beispiele.
  • Nichts bleibt unbeantwortet
    Jetzt hat sich doch tatsächlich jemand die Zeit genommen und ein paar Zeilen geschrieben. Ein fremder Mensch, der sicherlich auch besseres zu tun hat und deswegen vielleicht zu spät zu seinem Unterwasser-Korbflechten-Kurs gekommen ist. Dieser Mensch hat eine Antwort verdient, selbst wenn es nur ein „Danke für deinen Kommentar“ ist. Das ist keine Social Media Regel, sondern eine Frage des Respekts.

Inhalt und Frequenz

Hier gibt es ja ungefähr so viele „Regeln“ wie Berlin Hipster hat (Tipp: Zu viele!): Maximal 800 Wörter, alle 2 Tage posten, von sich selbst nur im königlichen Plural sprechen… alles Quatsch. Viel zu viel hängt von der individuellen Persönlichkeit des Blogs, der Autoren und der Leser ab. Ein paar grundlegende Richtlinien kann und sollte man dennoch beachten:

  • Sagt was oder haltet die Klappe
    Ich selbst hab hier ja schon lange nichts mehr geschrieben. Das liegt allerdings nicht daran, dass ich die Lust an Social Media verloren hätte. Vielmehr hatte ich einfach nichts Wichtiges zu sagen. Den 150. Beitrag zu irgendwelchem aktuellen Facebook-Krempel braucht ihr nun wirklich nicht und mittelmäßige Lückenfüller entsprechen nicht meinem Qualitätsanspruch. Kurzum: Bloggt wenn ihr etwas zu sagen habt, sonst nicht. Für Kurzweiliges und die täglichen Lebenszeichen gibt es Twitter und Facebook.
  • Gebt euch eine Persönlichkeit

    Jeder, der schon einmal versucht hat mit „verstellter Stimme“ zu schreiben, weiß wie verdammt schwer das ist. Es klingt und liest sich holprig und der Inhalt kommt auch nicht so herüber, wie man sich das gedacht hatte. Damit ist also keinem geholfen. Stattdessen solltet ihr lieber „normal“ schreiben und eventuelle Mitautoren dazu animieren, dasselbe zu tun. Von Menschen für Menschen eben. Das macht es nicht nur einfacher für alle Beteiligten, ihr verpasst jedem Beitrag so auch Persönlichkeit und Profil. Dadurch hebt ihr euch von der Masse ab und man kann sich mit euch identifizieren. Oder wann habt ihr das letzte Mal voller Genuss einen Beitrag im Stile einer SEO optimierten Pressemitteilung gelesen?
  • Entschuldigt euch niemals
    
Eigentlich ein No-Brainer, aber der Vollständigkeit halber sei es noch einmal gesagt: Schreibt nie nie nie niemals etwas, das ihr nicht guten Gewissens vertreten könnt. Das heißt nicht, dass es 100% richtig und wissenschaftlich belegbar sein muss. Ihr dürft eure Meinung nach eingehender Diskussion in den Kommentaren auch gern ändern und euch durch gute Argumente vom Gegenteil überzeugen lassen. Aber zum Zeitpunkt des Verfassens solltet ihr nach bestem Wissen und Gewissen hinter eurer Aussage stehen können.

Struktur und Usability

Spätestens wenn euer Blog eine gewisse Anzahl von Einträgen erreicht hat, stellt sich die Frage der Benutzbarkeit. Finden sich Nutzer nicht zurecht oder sind Texte eher absatzloses Wirrwarr, kommt schnell Frust auf und die Leser bleiben weg.

  • Kategorien und Schlagworte
    
Das ist das Rückgrat eures Blogs. Nicht selten finden sich in den Seitenleisten mehr als 10 Kategorien und hunderte Schlagworte. Wie sollen eure (insbesondere neuen) Leser da durchblicken und den richtigen Beitrag finden? Deswegen gilt: Stellt euch euren Blog als Buch vor. Die Kategorien sind die Kapitel und geben den thematischen Rahmen der Beiträge vor. Die Schlagworte sind das Register am Ende, beziehen sich auf den Inhalt und sind themenübergreifend – Jeder Beitrag hat genau eine Kategorie, aber gern mehrere Schlagworte. Weiterhin solltet ihr so wenig Kategorien wie möglich haben und auch bei den Schlagworten muss nicht für jeden Beitrag ein neues kreiert werden.
  • Macht euch hübsch
    
Um einen Beitrag auch optisch ansprechend zu formatieren muss man kein Profiblogger sein. Jeder Beitrag sollte ein Artikelbild haben. Nutzt auch die Embed-Funktionen von Videos, Tweets, Slideshows etc. Redet ihr über etwas bildhaftes, bindet ein Bild dazu ein. Ist der Text länger, setzt inhaltlich sinnvolle Zwischenüberschriften, hebt wichtige Dinge deutlich hervor. Selbst dem treuesten Fan geht bei 800 unformartierten Wörtern irgendwann die Puste aus.
  • Ja wo ist er denn?
    
Auch das sollte eigentlich selbstverständlich sein, wird aber leider oft noch total vergeigt. Wenn ihr euch die Mühe macht und schön vor euch hin bloggt, dann versteckt selbigen Blog nicht. Das Ding bringt keinem etwas, wenn ich 10 Minuten nach dem Link dazu suchen muss, der sich ganz klein am Fußende der Homepage verkrümelt. Gerne dürft ihr auch die 3 letzten/beliebtesten/wichtigsten Beiträge sehr prominent auf der Startseite präsentieren. Bin ich auf eurer Homepage, habt ihr meine Aufmerksamkeit – so ziemlich das höchste Gut im Internet. Nutzt sie.

So. Das war ein langer Text. Ich geh jetzt ins Bett und wünsche euch viel Spaß beim Bloggen!

Karsten

P.S. Fast vergessen: Was macht einen Blog für euch so richtig gut?
Schreibt eure Top 3 Blogs und warum ihr sie lest doch einfach in die Kommentare!
Das wäre toll! Danke!

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Geile Zeit vorm Elfenbeinturm – 10 Lehren der re:publica

Wie ihr vielleicht gesehen habt, war ich letzte Woche auf der re:publica, dem Rock am Ring der deutschen (und ein bisschen internationalen) Nerd- und Internetszene. Um es direkt vorweg zu nehmen: Wer was Ausführliches zum Inhalt, den einzelnen Vorträgen und Stars und Sternchen der Veranstaltung lesen will, der sollte sich bei den anderen Zahlreichen Berichten bedienen (einfach mal googlen).

Ein bisschen Elfenbeinturm

Das liegt einfach daran, dass fast alle Sessions und Panels wenig Substanz hatten. Klar, es wurde viel diskutiert erzählt, vorgetragen und vorgestellt. Unterm Strich blieb aber selten etwas stehen. Jeder, der sich schon etwas länger mit den angesprochenen Themen beschäftigt, wurde eher mit Altbekanntem konfrontiert statt mit Aha-Momenten.

Ins Detail will ich jetzt nicht gehen, weil wir sonst noch morgen hier sitzen würden. Aufs Wesentliche reduziert kann man aber sagen: Es fehlten Eier. Bei den Panels hätte man auch mal eine Gegenposition besetzen können. Ein paar Vortragende hätten auch gern mal provokant daherkommen dürfen. Lediglich Dirk von Gehlen ist bei seinem Vortrag “Mashup – Lob der Kopie” mal kurz ein „beschissen“ rausgerutscht. Und ganz schnell wieder eingefangen worden. Zurück zu sicheren Fahrwassern. Gary Vaynerchuk’sche Vorträge fehlten leider. Die Bühne als leidenschaftsfreie Zone.

Zudem stelle ich mir ja auch oft einfach mal die Frage nach dem Nutzen, dem praktischen Wert. Ich weiß, das ist naiv… aber ich bin noch jung und brauche die Illusion. Und Illusion war‘s dann auch gewesen. Zwar war das Besprochene für den Netzbewohner nicht uninteressant und auch sicherlich nicht falsch, aber eben oft… nutzlos. Es gab Wissen, Ansichten, Ideen… und dann? Was fängt man nun damit an? Dazu kam leider recht wenig. Auch wenn viel Gutes in die Blase gesprochen wird, so profitiert davon eben trotzdem nur die Blase.

Echtes Social Media, ganz ohne Internetz

Das war aber alles überhaupt gar nicht schlimm. Denn die eigentliche ACT!ON spielte sich zwischen, vor und neben den Vorträgen ab. Auf dem Affenfelsen, dem Marktplatz, dem Innenhof. Dort gab es wahrhaftig gelebtes „Social Media“ – auch wenn sich Media dank fehlendem WLAN meistens auf das gesprochene Wort reduzierte. Doch irgendwie war das gut so.

Denn hier trafen Menschen auf Menschen. Twitternamen auf Klarnamen. Bierflaschen auf Weingläser. Und hier war Leidenschaft. Es wurde frei diskutiert, genörgelt, erklärt, gestritten, vertragen, umarmt, gelacht, geflucht. Hier merkte man, dass die re:publica nicht von „Anzugträgern“ organisiert wird, sondern von normalen Menschen. Anzüge gab es dementsprechend wenige (außer bei Daniel Rehn, der darin großartig aussah und den beiden etwas vereinsamten Gestalten vom Comdirect Stand). Dafür aber pinke, grüne, blaue Haare, Turnschuhe, zerrissene Hosen, Nerdshirts, Tätowierungen, Piercings und vor allem eins: Fröhliche Gesichter.

Was übrig blieb

Und dank diesen fröhlichen Gesichtern blieb dann auch inhaltlich viel hängen. Eigentlich zu viel, um es hier auf einmal auszubreiten. Deswegen hab ich das mal auf 10 Kernpunkte reduziert:

1. Ist dein Produkt scheiße, macht Social Media es nur noch beschissener. In sein Produkt zu investieren ist das beste Marketing.
2. Menschen funktionieren besser als Logos. Egal wo, egal wann.
3. Social Media ist dann gut gemacht, wenn einem die Fans plattformunabhängig hinterherlaufen.
4. Community Building wird die Basis des Unternehmenserfolgs!
5. Content allein zieht auch keinen Hering mehr vom Teller, Kontext muss her!
6. Social ist ganzheitlich, Social Media Beratung auch immer Unternehmensberatung.
7. Wer Social meidet, der steht auf der Verliererseite. Wer sich kümmert, der gewinnt.
8. Trial and Error funktioniert besser, als feste Strategien und Taktiken.
9. Zusammenarbeit ist immer besser als Konkurrenzdenken.
10. Der Bullshit-Radar der Nutzer ist zu gut – Authentizität lässt sich nicht basteln. Werte und Normen müssen gelebt werden!

Und zum Schluss natürlich das Wichtigste:
Die Menschen, die diese 3 Tage so großartig und bezaubernd machten und zu diesen Erkenntnissen beitrugen:

David Philippe
Markus Sekulla
Karsten Werner
Niklas Pucknat
Stefan Stojanow
Tim Krischak
Torsten Stelling
Uwe Hauck
Melanie Bender
Michael M. Roth
Christoph Weißichnich
Daniel Rehn
Yannick Block
Wolfgang Kerner
Ulli Steffke (nicht bei Twitter)

So das war’s für jetzt. Zu den einzelnen Punkten werd ich dann beizeiten nochmal einzelne Beiträge verfassen.

Danke für eure Zeit,

Karsten

P.S. Wenn ich irgendwen vergessen habe, einfach wütend in die Kommentare schreiben. Ich füge euch dann hinzu.

P.P.S. Du warst auch da und denkst, ich erzähl totalen Quatsch? Super! Dann ebenfalls in die Kommentare mit deiner Meinung. Wie immer bin ich ja auch nicht allwissend :D