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Was man von Guido Barilla lernen kann

Die ganze Konsumlandschaft flippt aus: Da hat doch der Chef der italienischen Nudelkneter von Barilla, Guido Barilla, den Schneid, Homosexuelle Paare zu diskriminieren. Oder auch nicht…

Erst lesen, dann pöbeln

Wenn ich mir die ganzen Boykottbekundungen so anschaue, kann ich das Gefühl nicht abschütteln, dass die Autoren dieser (wie so häufig) die Fakten gar nicht interessiert. Da wurde die effekthascherische Headline eines Artikel gelesen, die Protest-Schnappatmung setzt ein und statt den Artikel zuende zu lesen oder selbst mal zu recherchieren geht’s ab nach Facebook zum Rumpöbeln.

Dabei sei kurz gesagt, dass Barilla exakt die gleiche Haltung vertritt, wie unsere Kanzlerin. Und deren Partei schrappte letzte Woche knapp an der absoluten Mehrheit vorbei. Unternehmen werden boykottiert, Regierungen gewählt. Merkwürdig…

Ferner hat Guido (Barilla, nicht Westerwelle) deutlich gemacht, dass er lediglich das Adoptionsrecht für Homosexuelle Paare nicht unterstützt, etwaige Paarbildungen aber respektiert. Das kann man nun gut oder schlecht finden (ich find’s scheiße), aber es ist eben seine Meinung, die muss man ihm lassen.

Klare Kante?!

Nun aber von der Person zum Konzern. Schließlich geht es ja eigentlich um die Haltung des Unternehmens, das eben keine Werbung mit Homosexuellen (und deren Familien) machen möchte. Und daraus ergab sich dann auch die Aussage “Wenn ihnen unsere Pasta und unsere Kommunikation gefällt, dann essen sie unsere Pasta. Wenn ihnen das nicht passt, was wir sagen, ist es besser, sie essen eine andere Pasta”.

Daraus wurde nun ein “Barilla schert sich einen Scheiß um Schwule und Lesben” gestrickt. Aber das ist falsch. Es heißt eher “Barilla schert sich einen Scheiß um (schwule und lesbische) Menschen, denen die Werbung und Einstellung des Unternehmens nicht gefällt.”

Barilla-Man fasste das freundlicherweise noch einmal handlich zusammen: “Man kann ja nicht jedem gefallen, bloß um niemandem zu missfallen”

Hefte raus, Klassenarbeit

Und exakt das ist es, was man von ihm lernen kann. Wie gesagt, ich persönlich lehne seine Haltung und seine Idee, homosexuelle Paare sollten keine Kinder adoptieren, total ab. Von mir aus soll jeder heiraten wen er will und kann so viele Kinder adoptieren, bis die Bude platzt – vorausgesetzt, es geht allen gut und alle sind glücklich.

ABER von einem unternehmerischen Standpunkt respektiere ich die Entscheidung und bin sogar ein wenig beeindruckt. In einer Zeit, in der fast alle Unternehmen allen gefallen wollen (sogar Apfel rückt nun in die Plasitkscheiß-Ecke), braucht es klare Positionen, um diesen öden Mittelmaßmatsch irgendwie wieder in einen Markt zu verwandeln.

Das hat nichts damit zu tun, ob das in diesem Fall nun Erfolg bringt oder den Untergang des Pasta-Prinzen einläutet – ich spekuliere, es wird Barilla nun nicht in den Ruin führen und nächste Woche interessiert sich genau keiner mehr dafür.

Es geht ums Prinzip!

Und dieses Prinzip “Wir stehen zu unseren Werten, auch wenn es eben nicht allen gefällt” erfordert Eier. Bitte mehr davon – selbst, wenn es nicht meiner Meinung entspricht.

P.S. Alle, die Barilla Bigotterie vorwerfen: Ihr Deppen. Bigotterie ist so ziemlich das Gegenteil von der aktuellen Situation: A sagen, B tun. “Wir unterstützen keine Homo-Familie, aber kauft bitte trotzdem alle unsere Nudeln”, das wäre bigot.
“Wir unterstützen keine Homo-Familie und wenn euch das nicht passt, kauft woanders” ist es nicht. Es ist eine klare Ansage.

Artikelbild: FlickrMario SpannCC-BY-SA

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Keine Reue ohne Vertrauen

Der letzte Schnipsel drehte sich um Liebe. Nun geht es um Betrug.

Das Schlimmste beim Fremdgehen ist der Vetrauensbruch. Unter den Dingen, die Menschen in Beziehungen als unabdinglich schätzen, ist “Ehrlichkeit” ganz weit oben. Oder anders: Man kann vieles verzeihen aber nicht alles vergessen.

Auch wenn der abtrünnige Partner sich ehrlich schämt, entschuldigt und bereut, so steht fast immer ein “Ich kann dir nicht mehr vertrauen” dauerhaft im Raum.

Nur absolute Ehrlichkeit, auch wenn sie schmerzen mag, kann diesen Zweifel wieder ausräumen. Ist vorher schon immer knallhart alles klar gewesen, dann mag den Worten schneller wieder Glauben geschenkt werden. Doch auch nach dem “Bruch” muss sich das Vertrauen wieder geduldig erarbeitet werden. Entschuldigungen sind gut, fügen die Bruchstücke aber nicht wieder zusammen.

Nur wer ehrlich ist und sich durch Taten beweist, kann auf “Vergeben UND Vergessen” hoffen.

Amazon vergisst man so schnell nicht. Statt Ehrlichkeit ließ man die Fronten hart werden, den Zweifel einsinken und das Vertrauen aus den Händen gleiten. Die nun (verspäteten) Reaktionen und Konsequenzen kauft dem Versandriesen fast keiner mehr ab.

Authentizität, Ehrlichkeit, Transparenz… wäre dies Bestandteil ihrer dauerhaften Kommunikationsstrategie (gewesen), würde der Kampf um das verlorene Ansehen anders laufen.

Ein Paar kann den Elefanten im Raum ignorieren und einfach weitermachen wie gehabt. Jahrelang, vielleicht bis ans Lebensende.
Auch Amazon wird nicht plötzlich wieder “single” sein. Doch den Worten, Reaktionen und Konsequenzen hängt weiter ein Geschmäckle an.

Auch wenn die Worte des Konzerns ehrlich ist. Wenn auch er Opfer von Unwissenheit und schlechten Subunternehmern war. Wenn jetzt wirklich etwas anders werden soll. Ohne Geduld und Taten, ohne Vertrauensaufbau wird dies in den Ohren vieler immer Marketing-Blabla bleiben.

Denn ohne Vertrauen keine Reue.
Der Mensch erlaubt es nicht…

Artikelbild: mikebairdCC-BY

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Social Media und Liebe

Heute ist Valentinstag. Whoop whoop, Romantik und so.

Heute erinnern sich Paare daran, wie schön es miteinander sein kann. Tun etwas für sich und für ihre Beziehung. Freuen sich einfach am anderen. Pflegen eben ihre Beziehung.

Bei Social und Media geht’s sich ja auch um Beziehungen. Und in Aufbau und Pflege sind diese dem romantischen Verbändeln zweier Menschen außerordentlich ähnlich.

Ich kann keinen Menschen zwingen mich zu lieben. Mit Blumen, Schokolade oder einem dicken Auto mag ich zwar Anziehung erzeugen, Vertrauen und Beständigkeit bleiben allerdings auf der Strecke. Zwei Harmoniesüchtige werden niemals ihren Lebensabend gemeinsam erleben. Starre Menschen, die nicht aneinander wachsen möchten und sich keine Freiräume geben, leben nicht mit- sondern gegeneinander. Machtspiele werden auch durch eine Valentinskarte nicht produktiver.

Auch ein Kunde muss selbst entscheiden, ob er euer Unternehmen liebt. Ihr könnte lediglich euer bestes geben und offenen Auges und Herzens agieren. Rabatte, Kampagnen und schicke Angebote ziehen zwar Augen und kurzfristig Euros, aber keine Herzen. Eine gute Diskussionskultur führt zu gegenseitiger Einsicht, Wissen und Aufrichtigkeit – dabei darf es auch ruhig mal krachen, das Versöhnen ist wichtig. Gemeinsames Zielstreben und Wachstum bringt auch euer Unternehmen eher ans Ziel. Geht es euch aber darum, Recht zu haben, wird das Miteinander schnell zum Gegeneinander.

So wie die verschmähte Liebe, Offenheit und verschwendetes Vertrauen einen neuen Partner anlockt, so öffnet es auch Tür und Tor für den Wettbewerb.

Während ihr euch noch streitet, wer nun mit dem Herausbringen des Mülls dran ist, kommt ganz heimlich ein anderer daher, der es einfach tut und eurem Kunden ein “Ich kümmere mich um dich” ins Ohr haucht.

Denn Liebe, das ist alles zu geben, zu akzeptieren, Höhen und Tiefen auszuhalten mit dem Blick auf ein gemeinsames Ziel.

Egal ob Mensch<=>Mensch oder Mensch<=>Marke.

Frohen Valentinstag!

Artikelbild: VinothChandarCC-BY

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3 kraftvolle Details – Beeindruckende Kommunikation für Faule

Jaja… gute Unternehmenskommunikation kostet Aufwand, Zeit und manchmal auch Geld. Oder zumindest ist das die landläufige Meinung. Nicht selten fragen besonders kleine Unternehmen deshalb erst einmal schockiert “Muss ich dann quasi alles stehen und liegen lassen oder viel Geld investieren?”.

Natürlich nicht. Diese Angst ist vollkommen unbegründet. Ja, so ganz ohne irgendeine Investition kommt keiner aus. Das ist klar. Wenn ihr also die Füße hochlegen wollt, dann steigt jetzt aus und macht das. Alle anderen, denen ein wenig Aufwand nicht zu viel ist, um langlebige, tolle und schlussendlich auch lukrative Kommunikation zu betreiben, bleiben bitte hier.

Das Ding ist nämlich, dass viel Investition nicht automatisch viel Erfolg bedeutet. Vielmehr sind die kleinen Details das Zünglein an der Waage. Und diese kosten meistens noch nicht einmal etwas und sind mit dem gesunden Menschenverstand betrachtet mehr als logisch.

1. Redet mit dem Kunden/Fan, nicht mit den Kunden/Fans

Das ist erst einmal eine Kopfsache. Seht ihr eure Kunden/Fans/Follower etc. als Masse von gesichtslosen Menschen an oder habt ihr ein Auge für das Individuum? Produziert ihr mehr Inhalte für das “Hintergrundrauschen” oder investiert ihr diese Zeit für individuelle 1zu1-Gespräche?

Auch wenn es verlockend erscheint, nahezu immer für die Masse zu handeln, führt das im Endeffekt zu gar nix. Stellt euch vor, ihr sprecht immer nur vor großen Mengen. Zwar ist das alles ganz schön und die Leute sind auch dabei, aber eine wirkliche Beziehung können sie zu euch nicht aufbauen. Dann kommt der nächste Sprecher, der gleich toll ist, und zack seid ihr weg vom Fenster.

Wenn ihr hingegen nach eurem Vortrag noch mit den Leuten rumhängt, tratscht, Fragen beantwortet oder Diskussionen führt, seid ihr längst nicht mehr so austauschbar. Einfach weil ihr nicht nur der Erzählonkel von vorhin seid, sondern der Tom, Maik, die Lisa oder Susanne. Und das vergisst man so schnell nicht.

Natürlich könnte man nun unken, dass man ja nicht mit jedem einzeln reden kann. Das ist richtig. Aber auch gar nicht schlimm, denn das tolle am Internetz ist ja, dass die anderen dabei zusehen können, wie ihr das mit ein paar Leuten macht. Und selbst diejenigen, die nicht unmittelbar mit euch reden “dürfen”, werden sich denken “Mensch, da gibt sich aber jemand Mühe… klasse!”. Ich mein’, Menschen sind nicht blöd (zumindest nicht alle). Die wissen, dass o2 nicht mit jedem einzelnen 10 Minuten labern kann (obwohl…?!). Aber sie würden gerne sehen, dass ihr es wenigstens versucht. Dann verzeihen sie das gern.

Zudem hat das einen gewissen “Ködereffekt”. Wenn also die Chance besteht und vorgeführt wird, irgendwie doch mal zum “erlauchten Kreis” der persönlichen Gesprächspartner zu gehören, ist der Fan wesentlich motivierter auch weiterhin mitzumachen. Wer weiß, vielleicht ist er ja auch irgendwann dran.

Hätte o2 sich gestern bspw. viel Zeit für die Beschwerde von Nina genommen, intensiv auf einer 1zu1-Basis mit ihr zusammengearbeitet und dadurch gezeigt “Hey, wir können nicht immer alles super machen, aber wir geben uns Mühe”, wäre die Fehlertoleranz bei allen Mitlesern sprunghaft nach oben geschnellt.

2. Es gibt keine Konkurrenz, nur Mitbewerber

Auch hier geht es um eine Frage der Einstellung. Seht ihr andere Unternehmen eurer Branche als Konkurrenz oder einfach nur als Unternehmen mit dem gleichen Ziel? Ist euer Fokus darauf, mehr von deren Kuchen haben zu wollen oder ist es so gut wie möglich euer Ziel zu erreichen?

Konkurrenzdenken hat nur Nachteile. Es nimmt den Vergleich als Bewertungskriterium für eure Erfolgsmessung mit hinein und das ist schlecht. Ein schlauer Mensch sagte mir mal “Der Vergleich ist der Tod der Freude”. Achtet ihr also immer darauf, besser zu sein als andere, verliert ihr irgendwann euer eigenes Ziel aus dem Auge: Ein Problem lösen, Menschen helfen, ein Tolles Produkt vertreiben. Das ist unbefriedigend, macht aggressiv und nimmt jeglichen Spaß am eigenen Handeln.

Sind euch eure Mitbewerber aber recht egal, dann könnt ihr euch voll auf das Wesentliche konzentrieren: Ein großartiges Produkt liefern. Und wenn ihr damit ein schönes Leben führen könnt, eure Umsätze ausreichen und alles passt, dann könnt ihr euch daran endlos erfreuen – selbst wenn Unternehmen XYZ mehr verdient. Wichtig ist, was unter eurem Strich steht, nicht unter fremden.

3. Zeigt Namen, Gesichter und Verantwortung

Ich kann immer noch nicht glauben, wie wenig Unternehmen anonym (schriftlich wie auch visuell) kommunizieren. Fragt euch doch einfach mal selbst: Mit wem knüpft ihr eher zarte Vertrauensbande? Mit einem Menschen, den ihr “sehen” könnt oder einem leeren Unternehmenslogo?

Natürlich ist das ebenfalls eine Kopffrage: Wollt ihr als Marke einfach nur “eure Pflicht” tun, euch aber weiterhin in der Anonymität des Namen- und Gesichtslosen Auftritts verstecken können? Oder steht ihr ausreichend hinter euren Versprechen, dass ihr keine Angst vor Transparenz und Menschlichkeit haben braucht?

Hier wirkt der Umkehrschluss dieser Überlegung auf den Fan/Kunden ein: Wenn eine Marke sich nicht traut, mit Gesicht und Verantwortung in der Öffentlichkeit zu stehen, kann die nicht sehr vertrauenswürdig sein. Betreut mich auf Facebook allerdings Tobi, der mir versichert, dass er sich persönlich um mein Problem kümmern wird, dann muss da ja was hinter stecken.

Sowohl auf Facebook, als auch auf Twitter oder dem Blog: Gebt euren Leuten da ein Gesicht, einen Namen, eine persönliche Kontaktmöglichkeit. Werft eure teuer designten Titelbilder in den Müll und packt ein schönes Gruppenfoto aller Community Manager rein. Gebt jedem Mitarbeiter das Recht und die Pflicht sich persönlich mit seinem Namen für Anliegen einsetzen zu können. Das zeigt, dass ihr euch nicht nur Mühe gebt (siehe Punkt 1), sondern stellt auf beeindruckende Weise eine eigene Überzeugung vom Unternehmen dar. Und diese springt ganz automatisch auf Leser/Fans/Kunden über.

Auch hier hätte o2 gestern besser reagieren können. Wie ich dort in den Kommentaren schon geschrieben habe, wäre ein einfaches “Hi Nina, schick mir bitte ein Email an timo@o2.com und ich kümmer mich persönlich darum” eine Bombe gewesen. Das hätte alle “Ihr habt schlechten Service”-Argumente im Nu vaporisiert. Und es wäre eben auf das eigentlich Anliegen der lieben Nina eingegangen: Das Gefühl des nicht gehört werdens.

Update: Dazu haben just die sehr geschätzten Kollegen Christian bei sozial-pr und Henner bei Personalmarketing2null schöne Artikel verfasst:
sozial-pr – Corporate Blogger: Unternehmen, aktiviert Eure Mitarbeiter
Personalmarketing2null – Employer Branding: Mit Mitarbeiter-Blogs Gesicht als Arbeitgeber zeigen

Fazit

Diese drei Dinge sind alles keine großen Happen. Es sind eigentlich nur Veränderungen in der Denkweise, die operativen Auswirkungen kommen dann eigentlich von ganz allein.
Ohne es zu merken lasst ihr den neuen, langweiligen Blogpost ruhen und investiert die Stunde lieber in 1zu1-Unterhaltungen auf Twitter/Facebook.
Statt euch eine halbe Stunde zu ärgern, dass Konkurrent XYZ schon wieder mehr verkauft hat, nehmt ihr die 30 Minuten und denkt über neue Wege nach, euer Produkt noch besser zu machen.
Und anstelle der neuen 100.000€-Kampagne für “Brand Awareness” nehmt ihr eure Verantwortung plötzlich wieder wahr und erkennt die größte Waffe in eurem Marketingarsenal: Eure Mitarbeiter.

Fallen euch noch Kleinigkeiten ein, die einen großen Effekt haben? Dann ab in die Kommentare damit!

Peace Out,
Karsten

Artikelbild: Nomadic LassCC-BY-SA

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Warum Social Media Jobs abgeschafft gehören (Mal wieder Sparkasse)

So gern ich sie hab, die Sparkasse, so gern liefert sie mir Vorlagen als Negativbeispiel. Dieses Mal geht es um eine Stellenausschreibung, die ich auf der Facebookseite des BVCM e.V. gefunden habe.

Dort sucht das rote S nach einem Social Media Manager (man verzeihe mir das generische Maskulinum). Der soll können/sein:

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Das Ganze ist natürlich mehr als unverschämt und beschreibt den Job eines 2-X köpfigen Teams. Doch den Vorwurf kann man in diesem Falle nicht mal unbedingt der Sparkasse machen. Denn dieses Desaster ist nur das Symptom einer viel größeren Problematik. Eine Problematik, deren Lösung es ist, sämtliche “Social Media Jobs” abzuschaffen.

Bevor ihr ausflippt

Ich will hier keinem Community Manager/Social Media Manager seinen Job absprechen. Die alle haben sicherlich ihre Berechtigung und leisten meistens tolle Arbeit. Arbeit, die wichtig und richtig ist, die gebraucht wird. Was ich hier kritisieren werde ist die Einstellung der Unternehmen/Wirtschaftslandschaft diesen Stellen gegenüber. Verwirrt? Bleibt noch ne Minute und ihr seht, was ich meine. Im Grunde sind das nur 2 Punkte.

1. Unmögliche Definition der Tätigkeit

Obwohl die Sparkasse eine Bank und damit nahezu das personifizierte Böse ist, ist sie mir nicht als ausbeuterischer Arbeitgeber bekannt. Ein paar Bekannte arbeiten dort und die Konditionen sind überraschend komfortabel. Vorsatz, einen möglichen Social Media Menschen hier zum Hungerlohn an allen Fronten kämpfen zu lassen, lässt sich also nahezu ausschließen. Doch was veranlasst einen Konzern dann zu so einer Ausschreibung?

Unsicherheit! Das Problem liegt einfach in der unmöglichen Definition von “Social Media“. Alles was sie haben ist der Gedanke “Wir müssen da mitmachen”. Alles was folgt ist im Grunde einfach nur blinder Aktionismus, um dieser Forderung irgendwie gerecht zu werden und irgendwen in den höheren Etagen zufrieden zu stellen.

Das Ergebnis hat den Anschein, dass hier einfach mal ins Blaue hinein nach einem Tausendsassa gesucht wird, der zur Not eben alle nötige Bereiche abdecken kann. Egal ob Community- oder Social Media Management… so wirklich im Klaren scheint sich keiner zu sein, was für Probleme hier gelöst werden müssen. Was uns zu Punkt 2 führt…

2. Die wichtigen Fragen werden ignoriert

Diese ganze Aktivität ist also nur die oberflächliche Behandlung von tieferliegenden Bedürfnissen. Es ist natürlich wesentlich einfacher einfach mal jemanden “für Social Media” zu suchen, als sich mit den nötigen, wichtigen, tiefgreifenden Fragen dahinter zu beschäftigen. Fragen, die oft einfach unangenehm sind. Die grundlegende Eingriffe in Unternehmenskultur und Handlungsabläufe zur Folge haben könnten. Die an festzementierten Stuhlbeinen knabbern könnten.

Stattdessen wird nach altem Rezept verfahren: Geld auf Probleme werfen. Solange irgendwas tun, bis alle glauben, das hätte wirklich einen Sinn. Dass eigentlich wirklich keiner eine Ahnung hat, kehrt man bei ein paar High-Fives unter den Teppich und sucht sich zur Not ein paar Studien zusammen, die das eigene Handeln rechtfertigen. Dummerweise sieht die Realität wesentlich kälter und orientierungsloser aus. Statt Innovation wird hier unter dem Deckmantel des Fortschritts genauso weitergemacht wie immer.

Doch Karsten, du nörgelst ja nur. Wie sollte es denn ablaufen? So.

1. Stellt euch die richtigen Fragen

Bevor die Sparkasse den Schritt ins soziale Internetz gehen will, muss sie sich fragen, ob sie überhaupt dafür bereit ist, was sie dazu braucht und ob dafür wirklich externe “Hilfe” nötig/sinnvoll ist. Hier mal ein Anriss, wie so etwas aussehen könnte:

  • 0. Ist Social überhaupt was für uns? Oder wollen wir lieber nur Media haben?
  • 1. Haben wir überhaupt das Potenzial, im Social Web zu bestehen und zu überzeugen? Sind wir sympathisch genug? Haben wir ausreichend Persönlichkeit? Gibt es einen Plan, wie wir Kunden erreichen wollen/welchen Mehrwert wir bieten wollen?
  • 2. Brauchen wir dafür eine ausgedachte Position oder lässt sich das durch unsere aktuellen Abteilungen abfedern? Haben wir die passenden Personen nicht schon im Unternehmen und können sie intern weiterbilden?
  • 3. WENN wir jemanden externen brauchen, was soll dieser wirklich bringen? Welche Kompetenzen braucht er dafür? Können/Wollen wir mit den Folgen seiner Arbeit umgehen/ihm das richtige Umfeld bieten (Stichwort Vertrauen und Authorität)?

Das ganze im nackten Licht der Selbsterkenntnis betrachtet ergibt eine gute Basis, auf der sich ein Plan erstellen lässt. Wo will ich hin, welche Ressourcen brauch ich und wie komm ich daran? Ganz einfach eigentlich…

2. Sucht nach den richtigen, konkreten Leuten

Jetzt haben wir unsere Blaupause, nach der wir weiter verfahren können. Im Falle der Sparkasse wäre dann z.B. herausgekommen, dass sie einen Menschen brauchen, der ihnen im Bereich “Social” auf die Sprünge hilft. Einer, der sich das Unternehmen anschaut und sagt, wo und wie Potenziale zur Kundengewinnung/-begeisterung entdecken und entwickeln lassen. (A)

Außerdem hätten sie vielleicht jemanden gebraucht, der redaktionell tätig ist. Ein Mensch, der Inhalte kuratiert, erstellt und aus dem Unternehmen heraus Mehrwerte findet, aufbereitet und zur Verfügung stellt. (B)

Zudem bräuchte man evtl. noch wen, der ein Ohr am Puls der Technologie hat. Der über die aktuellsten Trends Bescheid weiß und Möglichkeiten zur frühzeitigen technischen Umsetzung der Unternehmenskultur erkennt und plant. (C)

Dann gibt es noch diejenige, die das ganze überwacht und die Auswertug der Aktivitäten übernimmt. (D)

Als Vorletzter bietet sich der an, der sich mit der Community auseinandersetzt, Dialoge führt, Serviceanfragen beantwortet und an vorderster Front der digitalen Kommunikation mit dem Kunden/Fan kämpft. Hier wäre es besonders ratsam, einfach auf die Unternehmensinternen Mitarbeiter zu schauen. Welche, die wirkliche Erfahrungen mit dem Kunden haben, Fragen und Bedürfnisse kennen und gut mit Menschen können. (E)

Zum Schluss gibt es dann denjenigen, der alle Fäden in der Hand hält, das Ganze koordiniert, mit den aktuellen Unternehmenszielen abgleicht, mit den Ergebnissen des Monitorings und die Schnittstelle zur Führungsebene bietet. (F)

So. Und jetzt kommen wir zum Finale. Statt diesen ganzen Positionen irgendwelche ausgedachten, unüberlegten Titel überzuziehen, packt man sie dahin, wo sie hingehören:

  • A: Kommt ins Marketing. Für ihn muss man in der Tat eine neue Bezeichnung schaffen. Irgendwas mit Social oder Kultur oder so…
  • B: Abteilung Redaktion. Die Sparkasse gibt mehr als genug Publikationen heraus, für die intern recherchiert werden muss. Eine kleine Redaktionsabteilung werden die also haben. Wenn nicht: Schaffen.
  • C: Kann in IT oder Marketing gepackt werden. Stellenbezeichnung muss in der Tat vielleicht noch erfunden werden. Alternativ (je nach Arbeitsaufwand) kann dieses auch mit A verbunden werden.
  • D: Ab ins Controlling.
  • E: Kundenservice.
  • F: Top-Position Marketing/Vorstand.

Ist das denn so schwer? Nach der Aufteilung oben, könnte man jeder Stelle eine konkrete Tätigkeit zuschreiben, diese nach Kompetenzen besetzen und würde sich selbst viel Arbeit ersparen.

Bitte beachten: Das hier ist ein Beispiel für die Sparkasse. Bei kleineren/anders strukturierten Unternehmen kann sich das natürlich variabel gestalten und mehrere Positionen von einer Person übernommen werden/extern zeitweise “eingekauft” werden.

In kurz

Die “neuen Social Media Berufe” macht es Unternehmen zu einfach, sich wieder um die eigentlichen Probleme herumzuwuseln. Dabei sollten sie erst mal nachdenken, bevor blind irgendwelce “Social XYZ” angeheuert werden. Vielleicht liegt die Lösung näher als gedacht.

Herzlichst,
Karsten

Artikelbild: epSos.deCC-BY

Update: Hier eine schöne Reaktion von Christian auf seinem Blog: Social Media Manager und Co.: Berufe ohne Sinn und Zweck?

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Chancen für E-Commerce bei Social und Media – #HellOut Nummer 5

Meine Damen und Herren, das war ein Fest. Der letzte #HellOut on Air am vergangenen Donnerstag lässt sich nur als “sensationell” beschreiben. Aber seht einfach selbst…

Mit dabei waren dieses Mal der tolle Julian, Stammgast Torsten Maue, E-Commerce Redakteur Karsten Werner, Safthändlerin Kirstin Walther und ich.

Tipp: Gerade die Anwesenheit von Kirstin hat das Ganze zu einem besonderen Erlebnis gemacht. Statt Theorie gab’s bei ihr nämlich echte Geschichten und Fallbeispiele zu hören – Kunden, die bei schlechter Apfelernte ihre eigenen Früchte spenden sind nur ein Highlight. Im Grunde gibt Kirstin hier alles, was man wissen muss, bereitwillig aus der Hand:

  • Warum lohnt sich eine echte Fangemeinde für euch?
  • Wie zieht ihr mit sowas Banalem wie Säften Menschen in den Bann?
  • Wie kommt ihr auf Ideen für nützliche und überzeugende Inhalte?
  • Wie schafft ihr ein authentisches und liebenswertes Auftreten?

Viel Spaß beim Schauen,

Karsten

P.S. Der nächste #HellOut wird wie gewohnt am Donnerstag dem 29.November um 20 Uhr stattfinden. Reizthema dieses Mal: “ROI von Social und Media”. Wenn ihr auch mitsprechen wollt, einfach per Twitter, Facebook oder Email anmelden.

Artikelbild: danielbrocheCC-BY